"Notfalls nackt, ohne Körbe und Parkett"
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Hauptkategorie: News
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Erstellt am Donnerstag, 22. Dezember 2011 19:06
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Crailsheimer freut sich aufs Weihnachtsspiel
Der Höhepunkt der Basketball-Saison naht: Am 23. Dezember steigt das Weihnachtsspiel der Merlins in Ilshofen. Kapitän Sebastian Kling hofft auf einen Sieg - und will nicht wieder eine dicke Lippe bekommen.
Guido Seyerle/Haller Tagblatt
Bei den Weihnachtsspielen der Merlins ist immer Spannung pur angesagt. Welche Partien sind Ihnen noch in Erinnerung?
SEBASTIAN KLING: In meinem ersten Weihnachtsspiel, damals noch in Crailsheim, war es extrem knapp. Gegner Lich führte 20 Sekunden vor Schluss mit drei Punkten und hatte zwei Freiwürfe. Die hat der TV vergeben. Mit der Schlusssirene war ein Dreier von uns zum Ausgleich drin. In der Verlängerung haben wir dann gewonnen. Interessant: Damals hat Daniel Dörr noch für Lich gespielt und dann jahrelang für uns. Am Freitag wird er genauso unter den Zuschauern sein wie unsere Ex-Spieler Karim Aw, Christian Imberi und John Cadmus. Das ist fast wie bei einem Abi-Nachtreffen.
Gegen Kirchheim gab es ja auch richtige Krimi-Spiele.
Genau, der Dreier zum Sieg von Willi Young wird für viele Merlins-Fans unvergesslich bleiben. Das war das erste Spiel in der Arena.
Wobei für Sie eher eine andere Partie unvergesslich bleibt - in der Aufstiegssaison gegen Osnabrück.
Eine Minute vor Schluss habe ich einen Schlag gegen die Lippe bekommen. Sie musste mit vier Stichen innen und außen genäht werden. Um 22 Uhr war ich im Krankenhaus und um 23.30 Uhr schon wieder auf der Party in der Halle am Feiern. (lächelt) Das war ne nette Nebenerscheinung, schließlich musste ich ja noch in meinen Geburtstag am 21. Dezember reinfeiern. Weihnachten beginnt dann erst nach dem Spiel und der Party.
In diesem Jahr hört es sich nicht nach so einem spannenden Spiel an. Es kommt der Tabellenletzte.
Der Schein trügt. Viele denken, das gibt eine klare Kiste. Jedes Spiel muss erst mal gewonnen werden. Augsburg hat vor einer Woche nur mit zwei Punkten gegen Nürnberg verloren. Wenn wir den Aufsteiger unterschätzen, kann das schnell nach hinten losgehen. Das Weihnachtsspiel hat seine eigenen Gesetze.
Warum?
Es ist das größte Sport-Event in der Region. Im Vorfeld wird viel darüber berichtet. Dadurch entstehen Anspannung und Druck. Wir müssen dazu fähig sein, dies in positive Energie umzusetzen. Deshalb sind Weihnachtsspiele anfangs meist zerfahren, bis man den Rhythmus gefunden hat.
Die Nervosität dürfte auch am extrem lauten Publikum liegen.
Die Stimmung ist wirklich gigantisch und wird durch das tolle Rahmenprogramm abgerundet. Wenn man sieht, wie sich das weiterentwickelt hat! Mir ist es aber bisher ganz gut gelungen, mich auf das Spiel zu konzentrieren.
Was machen Sie als Kapitän, damit Ihre Mitspieler nicht zu nervös werden?
Wir werden uns mit der Mannschaft die Halle anschauen. Notfalls im Vorfeld nackt ohne Körbe und Parkett. Dann zeige ich den Jungs, was für ein Aufwand getrieben wird, um das Spiel möglich zu machen. Hoffentlich können wir auch zwei bis drei Mal dort trainieren, um uns an die Halle zu gewöhnen.
An das Parkett brauchen Sie sich ja nicht zu gewöhnen. Das haben die Merlins vor ein paar Jahren gekauft und es lagert in der Arena.
Nein, das Parkett bringen die Gäste mit. Aber es gehört uns.
Wie geht denn das?
Vor der Runde hatte Leitershofen kein Parkett, das den Anforderungen der ProA entspricht. Wir haben ihnen deshalb unseren Boden aus der Arena vermietet. Dieser wird am kommenden Montag angeliefert und in Ilshofen verlegt. Anschließend geht er wieder ins Bayrische. Es wird also kein typisches Heimspiel für uns.
Die Neuzugänge haben sich toll integriert und sind Leistungsträger. Wie konnte das gelingen?
Wir sind wirklich super gestartet. Allerdings waren viele knappe Siege dabei, das gleicht sich aber im Laufe der Saison immer aus. Vom zwischenzeitlichen Platz zwei darf man sich nicht blenden lassen. Wir waren vom ersten Tag der Vorbereitung zusammen, das hat man positiv gemerkt und wir waren schnell im Rhythmus drin.
Sie waren beim Vorbereitungsturnier in Finnland Zimmergenosse von Jared Stohl. Wie lief das?
Die erste Auslandsreise der Merlins hat viel zum Teambuilding beigetragen. Wir haben viel über Basketball geredet, aber auch über ganz praktische Dinge. Das geht vom Pralinenkauf in der Weihnachtszeit bis zur Mülltrennung.
Was ist für die Merlins in dieser Saison drin?
Unser erstes Ziel war es, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Das können wir getrost jetzt streichen. Nun ist unser Blick auf die Playoffs gerichtet. Für die Top Drei dürfte es nicht reichen, aber unter die besten Acht wollen wir es schaffen.
Wie wird das Weihnachtsspiel ausgehen?
Wir gewinnen 84:77. (lächelt) 84 ist mein Geburtsjahr und 7 meine Trikotnummer.
Die Fragen stellte Guido Seyerle.