Finaler Dreier wird Stein des Anstoßes
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Erstellt am Montag, 05. Dezember 2011 10:41
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Finaler Dreier wird Stein des Anstoßes
Eine Szene bewegte die Gemüter beim Heimspiel der Merlins in der Hakro-Arena am Samstag gegen Chemnitz nachhaltig und sorgte auch nach Spielende noch für lebhafte
Klaus Helmstetter
Diskussionen: Sieg oder Verlängerung lautete die entscheidende Frage. Mit anderen Worten: Gab Izhizaki Takumi, japanischer Nationalspieler in Diensten des BV Chemnitz 99 seinen finalen Dreipunkte-Wurf noch im Rahmen der laufenden Spielzeit ab - oder war die bereits vorüber? Im allgemeinen Trubel ganz schwer zu beurteilen und selbst das Schiedsrichter-Trio benötigte eine Beratungs-Zeit, ehe die Entscheidung erging, die da lautete: Korb zählt! Unentschieden 80:80! Verlängerung nötig!
Crailsheims Coach Ingo Enskat brachte freilich eine ganz andere Sequenz, kurz davor, gehörig auf die Palme: "Zwölf Sekunden vor dem Ende lagen wir mit drei Punkten in Führung und waren nicht dazu in der Lage zu foulen. Das ist jetzt schon das zweite Mal, nach dem Nürnberg-Spiel, dass ein Spieler, das was in der Auszeit besprochen wurde nicht umsetzen kann - darüber wird am Montag noch intensiv zu reden sein!"
Recht hat der Coach, wobei die Merlins auch unabhängig von der strittigen Dreiersituation am Ende der
regulären Spielzeit, sowohl vorher, als auch dann in der späteren Verlängerung genügend Möglichkeiten hatten, die Partie für sich zu entscheiden. Unter anderem in der Schlussphase der fünfminütigen Overtime, als sie mit einem Punkt zurück lagen (90:91), und es in 19 Sekunden Restzeit bei eigenem Ballbesitz nicht schafften, den womöglich entscheidenden Korb zu erzielen.
"Ich war im Vorfeld eigentlich ganz positiv gestimmt, denn wir haben in der Woche sehr gut gearbeitet", betonte Ingo Enskat nach der Partie. "Und wir schienen auf dem richtigen Weg. Schade, dass jetzt eine individuelle Situation die Entscheidung gegen uns bewirkt hat. Sonst hätten wir die nächsten Spiele noch mit mehr Energie angehen können. Aber jetzt wird jeder erst mal den Kopf hängen lassen", erklärte der Coach unmittelbar nach der Partie, doch inzwischen wird die Welt sicherlich schon wieder anders aussehen.
Dabei verlief der Auftakt für die heimischen Korbjäger nach Maß. Mit 18:6 drückten sie mächtig auf die Tube und legten eine respektable Distanz zwischen sich und den eher abwartend beginnenden Gegner. "Zu diesem Zeitpunkt habe ich schon ein bisschen schwarz gesehen", räumte Felix Schreier, junger Trainer bei den Gästen, im Nachhinein freimütig ein. "Doch danach haben wir uns wieder zurück ins Spiel gekämpft, um dann im zweiten Viertel doch wieder ins Hintertreffen zu geraten. In der Folge war es dann ein enges Match, das der gewinnt, der mehr Glück hat oder eben weniger Fehler macht". Wobei die Gäste zunehmend selbstbewusster auftraten, sicherlich im Gefühl, an diesem Abend in Crailsheim etwas reißen zu können. Und es hat tatsächlich viel geklappt im Spiel der Sachsen. So erzielte Gary Johnson (Nummern 5), der übrigens die Partie komplett durchspielte, einen unglaublichen Dreier aus einer Distanz zwischen Dreier- und Mittellinie zum 43:40, unmittelbar vor der Halbzeit. Zum Ende des dritten Viertel legte er eine weitere ähnliche Situation, nicht ganz so weit vom Korb entfernt, nach. Und auch Jorge Schmidt versenkte fünf von acht Dreiern. Mit 55:36 Prozent spricht diese Statistik eindeutig für Chemnitz, bei dem knappen Verlauf sicherlich spielentscheidend. Kurioserweise - oder auch nicht - weil die Konzentration der Hausherren nachließ - streute Chemnitz - fast unmerklich in den Schlussphasen der jeweiligen Viertel mehrere, zum Teil einfache Korberfolge ein und brachte sich damit stets wieder in eine respektable Ausgangsposition.
Bei den Merlins war der Faden nach dem forschen Beginn gerissen, sie bemühten sich zwar redlich, doch ein rechter Spielrhythmus wollte sich nicht mehr entwickeln. In der Offensive tat sich bei den Hausherren zunächst Mark Hill (erstes und drittes Viertel) hervor. Billy Baptist brachte mit einem Dreier und einem weiteren Korb nach steal in der Defense im zweiten Viertel viel Energie in die Partie, ehe Darryl Webb, besonders in Durchgang vier und Verlängerung zu großer Form auflief. Neben seinen stattlichen 32 Punkten brachte er es zudem auch noch auf 15 Rebounds (Joe Buck steuerte zehn mit bei).
Ingo Enskat ging nach der Partie dann doch recht rasch wieder zur Tagesordnung über. "Chemnitz hat eine sehr gute Leistung gezeigt. Und wir nehmen es immer als so selbstverständlich an, Mannschaften wie Chemnitz zu schlagen. Dabei sind die nicht besser und nicht schlechter, als wir auch". Gästecoach Felix Schreier sparte nicht mit lobenden Worten für die Merlins. "Crailsheim spielt eine tiefe Rotation, was es möglich macht, auf konstant hohem Level zu agieren. Und die Merlins stehen, bis jetzt zu Recht auf dem zweiten Tabellenplatz". Schreier erwartet die Zauberer aus Crailsheim in den Play-offs und hofft auch für seine Mannschaft auf einen Platz im Bereich zwischen fünf und acht. "Vielleicht sehen wir uns ja dann in den Play-offs wieder"! Unter dem Strich eine ärgerliche Niederlage. Insbesondere, wenn man das Zustandekommen berücksichtigt. Doch betrachtet man den bisherigen Saisonverlauf - sicherlich keine Beinbruch!
Viertel: 26:18, 17:22, 17:22, 20:18, 10:12
Stände: 26:18 / 43:40 / 60:62 / 80:80 / 90:92
Spielfilm: 9:4 / 16:4 / 19:8 / 22:13 / 26:18 (1.V.)
31:23 / 33:26 / 39:34 / 43:37 / 43:40 (Halbzeit)
44:41 / 45:44 / 47:47 / 52:53 / 60:56 / 60:62 (3.V.)
64:66 / 67:71 / 72:75 / 77:77 / 80:77 / 80:80 (4.V.)
82:82 / 84:85 / 86:91 / 90:91 / 90:92 (VL)
Punkte Merlins: Webb 32 (2 Dreier; 15 Rebounds), Hill 18 (3 Dreier), Baptist 15 (2), Buck 12 (10 Rebounds), Obiango 4, Dunbar 3 (1), Stohl 2, Kieser 2, Tetzner 2, Kling, Sivorotka
Chemnitz: Johnson 27 (3 Dreier, 14 Rebounds), Schmidt 17 (5) , Shaw 17 (1)